ZW-Krimi: Einer von uns – Kapitel 1

»Hauptkommissar Feisel…!«, begann Kramer, der Leiter der Kölner Mordkommission, am Fenster stehend zu sprechen, nachdem er Feisels Akte studiert hatte.
Feisel schaute sich im Büro um und entgegnete: »Meinen Sie mich?«
»Sie sind ein guter Polizist. Nur leider viel zu gut.«
Kramer hatte bereits auf seinem Stuhl Platz genommen. Feisel runzelte die Stirn und sah Kramer fragend an.
»Ihre Aufklärungsrate..« Erneut wurde er unterbrochen.
»Ja…,«, begann Feisel zögernd. ».., stimmt. Ich arbeite noch an dem Fall. Aber sonst…«
»Ich darf Sie unterbrechen, Feisel, Sie sind anscheinend zu bürgernah.«
»Was heißt hier `zu bürgernah`?!« Er vollendete im Dialekt: »Kölle es ming Heimat, ich bin he jebore.«
»Das mag nur nicht jeder.«
»Wat es dann he loss? Mer kenne uns doch schunn e su lang…«
»Sehen Sie, Feisel…«, unterbrach Kramer und zeigte auf ihn. »Sie sind anscheinend zu verbohrt, zu festgefahren. Ihr letzter Kollege kam aus Norddeutschland, und dem hat ihre direkte Art gar nicht gefallen.«
»Wollen Sie mir jetzt vielleicht mitteilen, dass der Fall noch nicht gelöst ist, weil mein letzter Kollege mit meiner Art..«
Kramer schüttelte den Kopf. »Ich finde, Sie brauchen eine Abwechslung. Wenigstens für kurze Zeit. Mal raus hier aus all dem Schamassel. Mal was anderes sehen.«
»Und jetzt? Soll ich jetzt vielleicht Krabbenfischer werden?«
»Sie sind noch jung, haben das halbe Leben noch vor sich.«
Feisel musste grinsen. »Mit 52, und wenn ich mich recht entsinne, zehn Jahre jünger als Sie, Kramer.«
»Für Sie immer noch Herr Kramer.«
Feisel rollte die Augen.
»In Zweibrücken ist gerade eine Stelle frei geworden. Ich habe mich für Sie eingesetzt.«
»Was soll ich denn im Saarland?!«, lachte Feisel.
»Zu Ihrer Kenntnis liegt Zweibrücken an der Grenze zum Saarland. Also in Rheinland-Pfalz.«
»Und was passiert da so?«
Kramer reichte Feisel mit ernster Miene ein paar Seiten zum Lesen. Feisel nahm sie entgegen und runzelte die Stirn und begann zu lesen, während er Kramer zuhörte.
»Auf einen Kollegen von uns ist dort im Einsatz mit seiner Kollegin geschossen worden. Kriminalhauptkommissar Steiner und Kriminaloberkommissarin Schrader befanden sich in der Nähe eines Tatortes, an dem ein Mord begangen worden ist, zwischen zwei Häusern, die (er bewegte seine Hände von sich weg) von der Straße weg stehen. Steiner ist vorgegangen, die Kollegin Schrader hat gesichert. Kurz nachdem die beiden hinten angekommen sind, wurde aus mindestens zwei Fenstern auf beide geschossen. Schrader flüchtete den Weg zur Straße zurück, in der Hoffnung, dass Steiner ihr folgt. Den Rest können Sie sich denken.«
»Scheiße!«, flüsterte Feisel.
»Momentan ist die Kollegin Schrader in psychologischer Behandlung und selbstverständlich krankgeschrieben. Sobald sie wieder gesund ist, wird sie ihre Ausbildung zur Hauptkommissarin fortsetzen.«
»Und wann soll das sein? Ich meine…«
»Schnellstmöglich. Bis dahin werden Sie da unten zeigen, was Sie hier bei uns gelernt haben. Ich hab` Ihnen für die nächsten Tage ein Hotelzimmer in der Poststraße gebucht. Sie fahren heute noch da runter und melden sich morgen früh bei Kriminalrat Stoll in Zweibrücken.«
»Ach, doch so schnell?«
»Sie arbeiten seit Jahrzehnten erfolgreich in der kriminellsten Stadt von Nordrhein-Westfalen und gleichzeitig der zweitkriminellsten Stadt Deutschlands, das kriegen Sie hin. Außerdem sind Sie da unten nicht alleine, die Kollegin Schrader ist ansprechbar. Morgen früh erwarte ich Ihre Meldung. Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte.«
Feisel kommentierte zynisch: »Ich freu` mich schon auf Saarbrücken.«
»Feisel…! ZWEIbrücken. Viel Erfolg. Und kommen Sie gesund wieder.«
Mit einem verschmähten Grinsen verabschiedete er sich von Kramer und fuhr nach Hause. Nachdem er den Koffer gepackt hatte, fuhr er los.

Sein Navi prophezeite ihm eine Fahrtzeit von knapp drei Stunden ohne Zwischenfälle und führte ihn bei Bonn vorbei, und weiter über Mayen bei Koblenz. In der zur Mosel gelegenen Gegend, nahe Trier schaute er sich öfter als sonst wo um, weil überall Weinberge.»Lecker!«, sagte er zu sich selber. Auf der Autobahn bei Saarbrücken musste er schmunzeln, immerhin wäre er beinahe hier gelandet. Etwa 40 Minuten später verließ er mit der Abfahrt Bubenhausen die Autobahn, etwa weitere 20 Minuten später checkte er im Hotel in der Poststraße ein. Im Zimmer packte er aus und ging anschließend duschen.
Danach zog er sich andere Kleidung an und ging nach draußen, um beim Beine vertreten die ungewohnte Umgebung auf sich wirken zu lassen, vielleicht könne er Inspiration für künftige Ermittlungen geben, dachte er sich. Er schlenderte leicht schmunzelnd durch die Fußgängerzone. Er ließ den Dialekt der Passanten auf sich wirken, teilweise hörte er auch Russisch heraus. Seine Mine wurde manchmal ernster, wenn er in den Schaufenstern mancher Geschäfte „Zu vermieten“ oder „Zu verkaufen“ las. Er dachte im Stillen, dass die Arbeitslosenquote überdurchschnittlich hoch sein könnte, was für manche ein Nährboden für Kriminalität ist. Er fragte sich, ob es in Zweibrücken soziale Brennpunkte gibt oder ob die Kriminalität auf die ganze Stadt verteilt sein könnte, wie das in seiner Heimatstadt der Fall ist.
In seine Gedanken vertieft wäre er mit einem Passanten kollidiert. Mit einem freundlichen »`n Abend.« grüßte er den Mann. Dieser beachtete ihn im Vorbeigehen zwar nicht, grüßte ihn aber mit einem »Servus.«
Die Alexanderkirche, die er fotografierte, kommentierte er schmunzelnd mit »Na ja, fast wie bei uns.« Er fotografierte auch eine vor der Alexanderkirche sitzende Bronze-Statue, die dem Dienstmann Ludwig Arnold gewidmet ist, und die – so hat Feisel später erfahren – alle Zweibrücker mit dem Namen „`s Zweebrigger Luiche“ kennen.
Hinter dem Omnibusbahnhof hielt Feisel inne und machte mit seinem Handy vom Straßenschild ein Foto. Dies kommentierte er freudig mit »Wie niedlich. Bei uns gibt es den Heumarkt und den Neumarkt, und hier gibt es die (er trennte) Frucht-Markt-Straße.« Mit seinem Handy in der Hand folgte er dieser Straße bis zur Kreuzung. Dort hielt er einen Moment lang inne, überlegte und machte ein weiteres Foto. “Das muss eine der beiden Brücken sein, von der Autobahn ausgenommen“, dachte er sich.
Von dort aus lotste ihn sein Handy nach rechts auf die Kaiserstraße am Krankenhaus vorbei. Nach etwa 15 Minuten Fußweg fiel ihm das Straßenschild Poststraße auf, und befand sich nur wenige Minuten später in seinem Domizil.
Dort bestellte er sich bei einem Lieferservice eine Pizza, schrieb seinen Vorgesetzten eine Nachricht, dass er angekommen ist, und las den Tatbericht, den Kramer ihm mitgegeben hatte. Im Handy einen Überblick über das Gebiet und über den Tatort. Der Tatort befand sich in der Langentalstraße. Die Wohnblocks mit jeweils mehreren Hausnummern standen nach links von der Straße weg. Im ersten Wohnblock hatte eine Woche bevor der Kollege erschossen wurde, ein Mann seine Frau vergewaltigt und erdrosselt, die Kollegen Steiner und Schrader ermittelten auch in diesem Fall. Als sie im Rahmen der Ermittlungen den Tatort aufsuchten, wurden in den ersten beiden Wohnblocks Fenster geöffnet und auf die beiden Beamten geschossen. Der Kollege Steiner wurde mehrfach getroffen und verblutete noch am Tatort.
Es blieben Fragen offen. Was hatten diese Täter mit dem vorangegangenen Fall der Vergewaltigung und Erdrosselung zu tun? Woher wussten sie, dass Steiner und Schrader sich zum Tatzeitpunkt dort aufhielten? Wie viele Personen hatten aus wie vielen Fenstern geschossen? Die Spurensicherung sollte Aufschluss geben.
Feisel las den Bericht zu Ende, aß seine Pizza und ging schlafen.

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Kapitel 7

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ApraNet, Internet, DarkNet…, und dann?

Bereits im Jahr 1971 wurde die weltweit erste E-Mail verschickt, damals im ApraNet, diese E-Mail diente lediglich dem Datenaustausch zwischen zwei Computern, die im jeweils benachbarten Zimmer standen. Im Jahr 1984 erreichte das damalige “Internet“ nun auch Deutschland, bei uns hieß es CSNET. Selbiges wurde im Laufe der Zeit immer weiter ausgebaut, damit – so hieß es damals – “…, auch die sozial schwachen Menschen zu Wort kommen.“
Heute, im 21. Jahrhundert, haben wir so viele verschiedene Kommunikationsmöglichkeiten, von denen wir während der 1980er Jahre noch nicht mal zu träumen wagten. Mit den viele Kommunikationsmöglichkeiten hat sich auch unser alltäglicher Sprachgebrauch geändert, manche klingen – sarkastisch formuliert – schon fast wie “Möchte-Gerne-Gangster“, weil sie fast nur noch englische Ausdrücke gebrauchen, die sie jeweils noch nicht mal in zwei Sätzen erklären können, und dabei auch noch die eigene Muttersprache auf der Strecke lassen: App, Cloud, Internet, Cache, Browser, Homepage, Web-Broker, Online-Marketing, Notebook, Laptop, WiFi, Smartphone, iPhone…, und, und, und.

Ist ja schon gut, allein mit dem Gebrauch fremdsprachiger Wörter wird man nicht zwangsläufig kriminell. Menschen werden aber doch bekanntlich fahrlässig, wenn man ihnen die Möglichkeit(en) dazu gibt – wobei anti-soziales (Kurzform: asozial) Verhalten auch im Tierreich zu beobachten ist: auch Tiere petzen, verpfeifen andere Tiere, weil sie Antipathie empfinden oder ein Tier mehr mögen als ein anderes, oder weil sie vor einem angreifenden Tier warnen.

Was könnte uns hoch entwickelten Lebewesen, also die vom Potential her intelligenteste aller drei Lebensformen, dazu veranlassen, anderen Menschen Schaden zuzufügen? Es muss etwas sein, was einem das Gefühl von Sicherheit vermittelt. Entfernung in Kilometern? Anonymität? Mildere Strafe bis Straffreiheit?
Nochmal ein kleiner Schwenk in die Vergangenheit. Während der 1970er Jahre zum Beispiel waren das Fliegen, und das Reisen überhaupt, viel teurer als heute. Billigflieger? Fehlanzeige. Ergo war man als Urlauber anonym, man konnte (z.B. am Ballermann) die Sau raus lassen ohne dass man sich zu Hause vor den Nachbarn schämen musste.
Ähnliches Verhalten ist heutzutage auch im Internet zu beobachten: man stelle jemandem einen Server in einem anderen Land zur Verfügung, wo eine beliebige Handlung strafbar ist, beispielsweise Herstellung und Verbreitung von Tierpornographie (ist selbst in manchen europäischen Ländern nicht strafbar). WO derjenige wohnt bzw. wo derjenige gerade sitzt, ist dabei nicht relevant, sondern das Land, in dessen Server bzw. das Rechenzentrum mit dem Server stehen – das lässt sich mit einer sogenannten “Briefkastenfirma“ im Ausland vergleichen.

Aus der Sicht vieler Menschen scheint es legitim, wenn sich jemand mit dem Usernamen “X“ einen anderen User, nennen wir sie/ihn “Y“, in öffentlichen Chat-Räumen so extrem belustigt, dass andere nur noch glauben, dass es sich bei “Y“ um ein scheinbar wertloses Profil handelt – Cyber-Mobbing, Fake-Accounts, Fake-News und Hetzreden sind weit verbreitet. Was aber, wenn weitere Personen ebenfalls im gleichen Chat-Raum mit einem beliebigen Usernamen befinden, die wissen, wer der User “Y“ im realen Leben ist? Für manche Menschen ist es ein Zeitvertreib, als User “X“ andere Internetnutzer zu trollen, wie es im Neu-Deutsch heißt. Manch andere zeigen sich im Internet so, wie sie wirklich sein möchten, was aber in der Realität, und vor allem im näheren Umfeld, niemand wissen soll (man denke als Vergleich an die oben genannten Ballermann-Urlauber von früher).
Wenn man an Satire schon längst vorbei ist, müsste doch bei uns hoch entwickelten Lebewesen eigentlich die Vernunft regieren, man müsste eigentlich den mobbenden Personen das Handwerk legen, sie anzeigen. Anstatt dessen springen viele auf den Zug auf. Stellen wir uns an dieser Stelle eine Horde Affen vor, wie die sich in gleicher Situation verhalten würden (wenn sie denn Internet hätten), weil diese uns von allen Tierarten am ähnlichsten sind.
Viele Internetnutzer wie auch reale Personen überlegen nicht, sondern glauben nur das, was sie sehen. Und die meisten Medienvertreter zeigen das, was möglichst viele sehen wollen, und benennen ihre eigenen Werke als “Satire“.

Das Rechtsgut Eigentum ist auch im Internet ein geschütztes Rechtsgut, zumindest formal. Täglich werden im Internet millionenfach Bilder und Videos Anderer, also ohne jegliche Kopier- und Nutzungsrechte, kopiert und vervielfältigt, oftmals noch nicht mal mit Quellangabe, und noch dazu werden Dateien oft für eigene Zwecke manipuliert, meistens ist die Verunglimpfung des Uploaders, also des Rechteinhabers, die Absicht. Es ist strafbar, aber möglich.

Mittels des Algorithmus ist es möglich, virtuelle Roboter zu programmieren, zum Beispiel besitzt jedes soziale Netzwerk mindestens einen davon. Nach dem Prinzip “Wenn nicht so, dann so“ beobachten die Roboter (Kurzform Bots) unser Verhalten im Internet, auch unser Kaufverhalten, um uns individuelle Werbung zu senden, und um wiederum mit unseren Daten Geld zu verdienen.
Nach selbigem Prinzip werden auch sogenannte “Social Bots“ programmiert, diese sind also in der Lage, anhand dessen, was wir wie schreiben, anhand unserer Ausdrucksweise, unsere Gefühlslage zu erkennen und darauf einzugehen (eben weil sie darauf programmiert worden sind) und um darauf programmiert zu antworten, was wir lesen möchten. Manche Online-Partnerbörsen nutzen derartige Bots, um Profile mit öffentlichen Bereichen und Bereiche, für die man bezahlen soll, zu erstellen. Bots in manchen sozialen Netzwerken werden darauf programmiert, Profile 1:1 zu kopieren, um damit dann Daten auszuspähen und realen Menschen Schaden anzurichten.
Wieder andere programmieren keinen Bot, sondern sie machen sich ihre Fähigkeiten zum eigenen Nutzen, indem sie hinter anderen Internetnutzern keine reale Person sehen, sondern nach dem Prinzip “Wenn nicht so, dann so“ einen anderen Internetnutzer, um letztlich an persönliche Daten zu gelangen, wie IP-Adresse, reale Wohnanschrift und Bankverbindung. Es gehört durchaus eine Form der Psychopathie dazu, sich das Vertrauen anderer Menschen zu erschleichen, um Selbiges für eigene Zwecke zu (auszu-) nutzen.

Wäre das Schließen der Pforten zur großen, weiten (Internet-)Welt eine logische Konsequenz daraus? Im Jahr 2009 hatte Ursula Von der Leyen vergeblich versucht, Internetseiten mit fragwürdigen Inhalten zu überprüfen und mit einem virtuellen Stopp-Schild zu versehen, was ihr den Beinamen “Zensur-Ursel“ einbrachte. Außerdem ist jeder Webseitenbetreiber nach § 5 des Telemediagesetz (TMG) verpflichtet, eine reale Adresse anzugeben, unter der man postialisch erreichbar ist. Na und?! Wenn doch nur der Server-Standort relevant ist… Ach so, die IP-Adresse? Ja, die IP-Adresse ist ein personenbezogenes, also ein persönliches Dokument, demnach ist die Sabotage rechtswidrig. Es ist aber möglich, die IP-Adresse selbst zu manipulieren, entweder man macht es selber oder man verwendet eines der vielen kostenlosen Browser-AddOns. Man kann also die IP-Adresse von Land zu Land über weitere andere Länder verschleiern, bis sie irgendwann nicht mehr im Ursprung erkennbar ist und aus einem ganz anderen Land zu stammen scheint. Es ist strafbar, aber möglich.
Man kann als Webseitenbetreiber die Domain einer Internetseite getrost mit “.de“ enden lassen, es ist dabei egal, in welchem Land der Server steht. Die IP-Adresse wird dann also in dem Land des Servers gebildet – und selbst wenn die Handlung bei uns strafbar ist, im Land des Servers aber keine Straftat ist…

Interessant, wir nähern uns der Thematik.

Man gebe einfach mal in Suchmaschinen (ohne Anführungszeichen) “Kostenloser Chat“ ein, und man finde Chat-Räume, für die man sich noch nicht mal registrieren muss, sondern lediglich einloggen. Sondern man denke sich einen beliebigen Namen und das Passwort und schicke beides an die gewünschte Chat-Person (den Usernamen zur Erkennung und das Passwort für das Einloggen). Funktioniert selbstverständlich auch ohne diese Daten, dann ist man aber für jeden anderen sichtbar und jede/r andere kann sich gleichzeitig beteiligen. Intime Unterhaltungen muss aber nicht jede/r mitbekommen.
In keinem Chat-Raum ist man wirklich anonym, das sei betont. In jeder Internetseite werden bereits bei der Erstellung der Webseite Log-Files angelegt, die definitiv mindestens vom Administrator eingesehen und auf illegale Inhalte überprüft werden können – auch in Internetseiten, in der nur eine Person agiert.
In jedem Land der Erde gelten andere Gesetze und auch jeweils andere moralische Wertevorstellungen, wir erinnern uns an den Standort der Herstellung der IP-Adresse. Was bei uns als “Hetzrede“ angesehen wird, gilt in den USA zum Beispiel, wo Hetzrede normal ist, als freie Meinungsäußerung, ganz gleich vom Server-Standort.
Auch der Datenklau wird in verschiedenen Ländern unterschiedlich gewichtet, ebenso wird in jedem Land zwischen dem Verhalten im Internet und dem realen Verhalten rechtlich anders entschieden. Wir als Bewohner zivilisierter Länder gegen davon aus, dass Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ein No-Go sind – Regierungen und Bewohner anderer Länder sehen das widerum anders.
Das eigentliche Problem dabei ist jedoch, dass die User vieler Internetseiten und Chats einfach nur miserabel betreut werden. Manche Admins gründen Seite oder einen Chat (oder beides) mit vorprogrammierten Dateien, um sich auf die Programmiersprache zu konzentrieren. Für Unannehmlichkeiten in den Seiten bis hin zu Verbreitung von strafbaren Inhalten möchten manche Betreiber keine Verantwortung übernehmen, oftmals wird dann lieber ein beliebiger User aus der Seite zum Moderator benannt, der “Prellbock“ sozusagen. Leider führt genau dieses Verhalten oft dazu, dass Internetseiten und Chat-Räume für eigene Zwecke missbraucht werden: manche posten wiederkehrend selbige Inhalte, was den Spam definiert, andere posten Dateien, die entweder nach unserer Wertevorstellung unmoralisch oder nach unserem Rechtssystem illegal sind. Nicht nur, dass viele Internetnutzer bei der Angabe des realen Alters lügen – wenn man sich gar nicht erst registrieren muss, ist es kein Wunder, dass man auch auf Inhalte trifft, die einem nicht gefallen oder die andere erst gar nicht sehen sollten, zum Beispiel Kinder nicht.

Was aber will man unternehmen, wenn einem Dateien begegnen, die aus dem Darknet beschafft worden sind, aber die Betreiber des Chats, in dem man sich befindet, lediglich diesen einen Chat-Raum schließen, damit ein weiterer mit gleich- oder ähnlich klingendem Namen eröffnet werden kann?
Selbstverständlich möchte man die Polizei verständigen. In dem Fall aber muss man sich erklären, was man selber in diesem Chat zu suchen hat, wenn nicht nach verbotenen Materialien. Und Screenshots von rechtswidrigen Materialien zu machen, die in einer Internetseite zu sehen sind, ist ebenfalls verboten. Ergo: man fühlt sich hilflos, erst recht, wenn man vermutet, dass sich in dieser Internetseite (oder im Chat) auch Kinder aufhalten. Viele Täter, die rechtswidriges Material posten, tun dies regelmäßig, und sind möglicherweise sogar schon vorbestraft – anhand der Gleichgültigkeit bezüglich der moralischen Wertevorstellung anderer Menschen lässt sich dies vermuten.

Viele Internetnutzer sind gewissem Sinne auch extrovertiert genug, um Usern in anderen Seiten zu zeigen, wie toll sie Dateien klauen können, und so tun können, als wäre es das eigene Material, die Anerkennung Anderer ist der Hintergrund. Pornos beispielsweise werden geklaut und im Titel auf die angebliche Ex-Freundin (im Englischen “Ex-GF“, Ex-Girlfriend, also Ex-Freundin) gemünzt oder auf sonstige Personen, die sie in der Phantasie der Uploader (zu Deutsch: “Hochlader“) sein sollen.
Aufgrund des stetigen Datenklau und aufgrund der Zeigefreudigkeit mancher Internetnutzer ist es heutzutage kein Problem mehr, ohne Altersangabe an Videos zu gelangen, in denen beleidigt, diffamiert, geschlagen, verprügelt, vergewaltigt geschnitten, gestochen oder auch enthauptet oder sonst wie getötet wird, und das alles unzensiert. Derartige Videos werden meist in ärmeren Regionen der Erde hochgeladen (uploadet), und das nicht nur von Betroffenen und von Augenzeugen, die die Betroffenen kennen, sondern auch von unbekannten Schaulustigen, und je nach Land oder Kontinent manchmal sogar von Rettungshelfern, von Ärzten und von Polizeibeamten. Und in vielen dieser Seiten sind dann auch noch pornographische Inhalte vertreten. Wie gesagt: andere Länder, andere Sitten.
Ist es moralisch vertretbar, dass auch labile Menschen auf solche Materialien Zugriff haben? Selbstverständlich lässt sich aus der IP-Adresse nicht herauslesen, ob der Internetseitenbesucher labil ist, soweit sind wir dann doch noch nicht. Heutzutage ist aber (behaupte ich) jedes zehnjährige Kind in der Lage, im Suchfenster einer Internetseite vier Buchstaben, nämlich aneinandergereiht “p“, “o“, “r“ und “n“ einzugeben, und gelangt dann unter anderem zu genannten Seiten.
“Ach, ist das furchtbar…!“, heißt es, wenn Nachrichten mal wieder darüber berichten, dass eine Frau in unserem Land von mehreren Männern vergewaltigt worden ist oder wenn eine Gruppe Jugendlicher eine gleichaltrige Person an ein abgelegenes Fleckchen Erde gelockt und gemeinsam mit Tritten und Schlägen misshandelt haben, obwohl die geschädigte Person am Boden liegt und sich längst nicht mehr wehren kann. Könnte es zwischen der abnehmenden Moral und der abnehmenden Hemmschwelle der heutigen Gesellschaft und den genannten Dateien eine Art Zusammenhang geben? Wie wäre es denn mit einer Art Teil- bzw. Mitschuld? Wieso kommt man nicht von selber darauf, dass man Derartiges wie obige Straftaten nicht nachahmen sollte bzw. wieso ist es anscheinend “cool“, sich mit fremden Federn zu schmücken? Stimmt: es hat niemand gesagt, dass man es nachahmen soll, es hat aber auch niemand gesagt, dass man es nicht nachahmen soll – darauf muss man erst mal kommen…!

Bei all der Digitalisierung und Vernetzung der eingangs erwähnten Kommunikationsmittel, und auch bei all der Schnelllebigkeit, darf es doch wohl noch erlaubt sein, sich selbst zwischendurch zu hinterfragen und dabei auch mal über den eigenen Tellerrand zu schauen?! Interessant wären da zum Beispiel auch Fragen wie “Wie viel Transparenz muss sein, und wie viel Transparenz sollte sein?“ Sicher schwer zu beantworten, denn auch das sieht jeder Mensch anders – Sicherheit ist ein Gefühl, und kein Gegenstand.
Der aus Köln stammende Comic-Zeichner Martin Perscheid verarbeitet gesellschaftliche Themen auf ironische Art, auch die Digitalisierung und die Vernetzung unserer Elektronik. In einem seiner Bilder sitzt z.B. eine Frau auf dem Klo und fragt Google “Okay, Google. Wo ist hier das Toilettenpapier?“ In einem anderen seiner Bilder sitzen zwei mit Puppen spielenden Mädchen auf einer Couch, das eine Mädchen zum anderen “Meine `Hello-Barbie` hat gesagt, wir sollen uns ausziehen.“ Betrachtet man dieses Bild genauer, sieht man rechts im Bild Mann hinter einem Baum stehen, der mit seinem Smartphone in der Hand in Richtung der beiden Mädchen lächelt.
Dieses Bild ist nicht im Geringsten verwerflich, das ist auch nicht meine Aussage, sondern es zeigt uns auf sarkastische Weise unser Verhalten auf, unsere Gedankenlosigkeit. Manche von uns sind gleich in mehreren sozialen Netzwerken und haben gleich mehrere Messenger-Dienste auf dem Handy installiert. Und dann beschwert man sich über all den Stress, hinterfragt aber nicht den Grund? Könnte mangelnde (Selbst-)Reflexion die Ursache sein? Und was vermag wohl der Grund dafür sein, dass viele Menschen die Sensationslust walten lassen anstatt Zivilcourage zu zeigen – sofern Zivilcourage nicht gerade als Trend definiert wurde?

Solange von den Verantwortlichen nicht mindestens ausreichend kontrolliert wird, dürfte es schwer sein, dass Internetnutzer mit psychopathischer Veranlagung ihre “Opfer“ (mir persönlich gefallen die Begriffe “Geschädigte“ oder “Betroffene“ besser) auch im Internet ausspähen.
Zu wenig Transparenz ist nicht gut, denn vor der Deeskalation sollten die Prävention, also eine Form der Offenheit, gestellt werden, um erst gar nicht deeskalieren zu müssen – zu viel Transparenz aber ist im Sinne von „Wer sich öffnet, macht sich angreifbar“ nicht gesund. Die Frage, ob es nicht etwa rechtliche Pforten zur großen, weiten Datenautobahn geben sollte, ist mit Sicherheit schwer zu beantworten, denn egal welche Regelung auch immer: diese gelte dann für alle, also wäre sicher immer jemand unter den Betroffenen, der meckert, hundert Prozent gibt es nämlich nur in der Mathematik.

Zu diesem Beitrag hat mich der Artikel “Instagram hat ein Problem mit nackten Kindern und alten Männern“ inspiriert. Darin geht es um mangelnde Verantwortung der Verantwortlichen und um verantwortungsloses Verhalten von Internetnutzern.

Im Beitrag “Rechtsinformation zur Kinderpornographie“ gibt ein Rechtsanwalt Ratschläge, wie man sich bestmöglich verhält, nachdem man im Netz verbotenem Material begegnet ist.

In den Seiten von www.polizei.de findet man nach Klick auf das jeweilige Bundesland auch die für den eigenen Wohnort zuständige Polizeidienststelle.

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Mord(s)geschichten aus Zweibrücken

Viele Städte haben einen inoffiziellen Beinamen, bei dem man automatisch weiß, welche Stadt gemeint ist. So ist zum Beispiel Mailand die inoffizielle „Hauptstadt der Mode“, Paris die „Hauptstadt der Liebe“, über Köln sagt man „Deutschlands Haupstadt der Medien“ und „Deutschlands Hauptstadt der Schwulen und Lesben“.
Die rheinland-pfälzische Stadt Zweibrücken trägt wegen des ansässigen und bekannten Gestüts und wegen des Rosengartens den Beinamen „Stadt der Rosen & Rosse“, und wegen des Hornbachs, des Bleicherbachs und des Schwarzbachs außerdem den Beinamen „Stadt des Wassers“.

Die offizielle Geschichte der Stadt Zweibrücken mit etwa 34.000 Einwohnern reicht zurück bis ins späte Mittelalter. Erstmals im Jahre 1174 nach Christus öffentlich mit dem Namen “Stadt zu den Zweybruecken“ erwähnt, waren hier viele Adelsgeschlechter unter anderem aus der Pfalz und aus Bayern aufgrund von Eheschließungen sowie etliche Nationalitäten beheimatet, darunter die Franzosen, die Schweden und die US-Amerikaner, letztere sind nach Ende des sogenannten “kalten Krieges“ (dem Wettrüsten der USA und Russland) zu Beginn der 1990er Jahre abgezogen worden.
Der altlateinische Name Zweibrückens lautet “Bipontum“, die Franzosen gaben der Stadt im 17. Jahrhundert den Namen “Deux Pont“ (zu Deutsch: Zwei Brücken).

Zweibrücken liegt in der Süd-West-Pfalz und im Saar-Pfalz-Kreis, ist also die letzte Stadt vor dem Saarland (dahinter beginnt schon Homburg-Einöd), grenzt außerdem unmittelbar an Frankreich, und ist mit etwas mehr als 34.000 Einwohnern die kleinste kreisfreie Stadt Deutschlands.
Leider hatte man auch im Dritten Reich Gefallen an der Stadt gefunden: Wie viele andere Städte war auch Zweibrücken zu Ende des Zweiten Weltkrieges zu mehr als 80 Prozent zerstört, vom Zweibrücker Schloss standen am Ende nur noch die Mauern, aus den zerstörten Fenstern wucherten Bäumchen.

Heute, im 21. Jahrhundert, steht an vielen Schaufenstern ehemaliger Geschäfte “Zu verkaufen“ oder “Zu vermieten“. Selbst größere Arbeitgeber mussten entweder Insolvenz anmelden, haben sich fusioniert oder halten sich mit Rationalisierungsmaßnahmen über Wasser. Jede Menge Inspiration also für Mord(s)geschichten aus Zweibrücken. Angefangen mit dem Zweibrücker Pilot-Krimi: Einer von uns.

Quellangaben:

– Wikipedia-Eintrag der Stadt Zweibrücken
– Webseite Alt-Zweibrücken

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