Viren – Nur gemeinsam stark

Seit Ende des Jahres 2019 erlebt die Welt mal wieder eine Pandemie. Einst war es die sogenannte „Pest“ im Mittelalter mit europaweit 25 Millionen Toten, dann zum Ende des Zweiten Weltkrieges die sogenannte „Spanische Grippe“ mit weltweit 50 Millionen Toten. An der Immunkrankheit AIDS sind seit deren Entdeckung während der 1980er Jahre mehr als 32 Millionen weltweit verstorben (Stand: Dezember 2020).

Im November 2002 brach das Virus SARS COVIS weltweit aus und forderte binnen sechs Monaten weltweit knapp 800 Menschenleben. Was wir nun im Jahr 2020 erleben, ist eine mutierte Form des SARS COVID, deshalb SARS COVID II oder auch „Corona“.

Während der „Pest“ im Mittelalter (man bezeichnete diese auch als „Schwarzer Tod“) waren viele Menschen davon überzeugt, dass Betroffene dieser Pandemie vom Teufel besessen gewesen sein mussten. Bis zu den Erfindungen von Mikroskopen und Internet war es noch ein weiter Weg, und dennoch – oder eben genau deshalb – fanden Unwissenheit und Ideologie mehr Befürworter als gesunder Menschenverstand und Empathie. Verbrennungen von damals bezeichneten „Hexen“ waren eine der vielen Folgen davon.
Die ursprüngliche Verbindung zweier Computer ist auf die 1970er Jahre datiert. Als Grund für schnellere und größerflächige Verbreitung des Internets nannte man während der 1990er Jahre „…, damit auch sozial schwache Menschen den Anschluss an die Gesellschaft nicht verlieren.“ Inzwischen können mehr als zwei Drittel der Weltbevölkerung auf das Internet zugreifen. Als Folge der Netzanonymität und der Meinungsfreiheit werden im Internet mehr Dummheiten und Ideologien verbreitet, als man sie real jemals äußern würde. Selbstverständlich hat es Unwahrheiten und Ideologien schon immer gegeben, sie verbreiten sich kedoch nicht nur schneller im Internet, sie sind auch noch günstiger als Printmedien. Selbst Prominente sind davor nicht geschützt – so hat man schon Prominente für tot erklärt, bevor sie überhaupt gestorben sind, nur um als Erster die Sensationsmeldung verkünden zu können. So manche Schlagzeile ist mit entsprechendem Bild finanziell mehr wert als die folglichen Prozesskosten – deshalb geht so mancher Paparazzi schon mal „über Leichen“.

Tatsächlich sind viele Menschen visuelle Typen, sie können sich also nur das vorstellen, was man sehen kann. Nun, man kann Viren unter einem Mikroskop sehen. Allerdings muss man haptischen Lerntypen erst mal beweisen, dass das, was man nur unter einem Mikroskop sehen, aber nicht anfassen kann, tatsächlich der Übeltäter ist. Da genügt auch ein Blick auf den Monitor nicht, der mit dem Elektronenmikroskop verbunden ist. Haptische Lerntypen müssen sich erst die Finger verbrennen, um zu wissen, dass Feuer heiß ist.
Man kann jedoch Menschen für eine fehlende Begabung nicht verurteilen. Ein Kind kann, so Forscher, erst ab dem 7. Lebensjahr ein Zeitgefühl entwickeln und so aus dem Bauch heraus in etwa eine Zeit voraussagen. Eine Zeitangabe im Alter von beispielsweise 5 Jahren hat mit Berechnung zu tun, aber die Fähigkeit des Zeitgefühls, also der inneren Uhr, ist in dem Alter noch nicht ausgeprägt. Wer das nicht verstehen kann und dies verurteilt, tut Unrecht. Selbiges Prinzip ist es auch mit Erwachsenen: manche können dies besser, andere das – haben sicher die meisten von uns schon mal gehört.

Die Existenz eines Virus muss man sich nicht vorstellen können, Viren sind bereits nachgewiesen.
Während meiner Zeit im Rettungsdienst von 1997 bis 2000 war ich unter anderem Praktikant in einem genetisch-diagnostischen Labor in Köln. Der für mich damals zuständige Mensch, Professor Probeck von der Universität in Mainz, war Professor für Molekularbiologie und Zytogenetik. Auch nach einem Praktikum ist man nicht vom Fach – dennoch habe ich Viren und Chromosomen unter dem Mikroskop gesehen, und möchte hiermit gedanklich unter die Arme greifen.

Alles, was man mit bloßem Auge sehen, und was man anfassen kann, ist makroskopisch. Alles andere ist mikroskopisch. Viren sind zwar unterschiedlich groß, es gibt immerhin das AIDS-Virus und das SARS COVID, allerdings sind Viren etwa 2 bis 9 NANOmeter groß (bzw. klein). Zum Vergleich: 1 Millimeter (auf den meisten Metermaßen zu sehen) ist so groß wie 1 Million Nanometer. Eine Erbse ist – je nach Sorte – 3 bis 9 Millimeter groß. Damit Viren, Bakterien und Chromosomen überhaupt erst mutieren können, benötigen sie Nahrung, also Informationen, beispielsweise aus dem Erbgut. Wären Viren Menschen, könnte man sie getrost als Soziopathen bezeichnen, weil auch sie sich nicht dafür interessieren, was die Geschädigte Person empfindet, sondern sie ziehen „ihr Ding“ durch.
Nun basteln wir uns gedanlich einen Teppich aus 40.000 aneinander gereihten 1-Euro-Münzen im Rechteck. Diesen riesigen Münzenteppich verkleinern wir nun in der Größe, sodass dieser 40-Tausend-Euro-Tepich auf einen Stecknadelkopf passt – auf einen Stecknadelkopf passen nämlich 40.000 Viren.
Es ist also schier unmöglich, Viren in die Hand zu nehmen. Und genau damit haben viele Menschen offenbar ein Problem. Es ist im Grunde wie die Existenz von Gott: was man nicht sehen und nicht anfassen kann, existiert für viele folglich nicht.

Wie gesagt: eine fehlende Gabe zu verurteilen, wäre fatal. Und auch Zweifel und Angst sind Emotionen. Dass aber Corona-Leugner nicht nur mit ihren Anzweifelungen Unruhe stiften, sondern auch sich nicht an Maßnahmen halten, steht auf einem ganz anderen Blatt. Auch Viren richten nur so viel Schaden an, wie man ihnen gewährt, sofern die Struktur und Algorithmus bekannt sind, dann nämlich erst bildet der Körper Abwehrzellen.

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